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Wölfe in Schafspelzen Machtmenschen in der Gemeinde (Edin Lovas) Brendow, Moers, 1996
"Sie leben unter uns. Sie sind kaum zu erkennen, und gerade das macht sie ungemein gefährlich. Machtmenschen herrschen nicht nur über das Leben anderer Christen, sie zerstören es sogar. Wie geschickt sie im Verborgenen ihre Fäden ziehen und wie sie dabei entlarvt werden, beschreibt der Norweger Edin Loevas aus eigener Erfahrung. Es geht ihm nicht darum, Leiter oder Führungspersönlichkeiten in christlichen Gemeinden an den Pranger zu stellen, aber er weist deutlich auf die offenen Wunden hin, die durch Machtmenschen verursacht werden. Viele Beispiele aus dem Gemeindealltag untermauern die Argumente des Autors und geben konkrete Hilfen."
Ein bestürzendes Phänomen
....Nach 40 Jahren seelsorgerlicher Arbeit bin ich entsetzt darüber, welches Ausmaß von Leiden durch Machtmenschen einzelnen Christinnen und Christen und christlichen Gruppen und Gemeinden zugefügt wird.
Ich bin zugleich bestürzt darüber, dass in christlichen Kreisen und selbst unter sachkundigen Fachleuten über diese Dinge nicht offen und ehrlich geredet wird.
Willkommen in christlichen Kreisen
...Es scheint, als ob christliche Gemeinden und Umfelder zu den Bereichen gehören, wo diese Menschen ihre Macht am leichtesten ausüben können. Man muss natürlich fragen, weshalb das so ist. Schon Paulus wunderte sich über diese Tatsache. An die Korinther schrieb er ja, wie bereits erwähnt: "Ihr nehmt es hin, wenn euch jemand versklavt. . ." (2. Kor. 11,20.) Eine andere Ursache ist die Tatsache, dass sich Christen viel zu sehr daran gewöhnt haben, eine Art Kirchenpublikum zu sein. In dieser Umwelt herrscht eine Einbahnkommunikation. Sie geht einseitig vom Podium, vom Altar bzw. Abendmahlstisch und vor allem von der Kanzel aus. Die meisten akzeptieren ohne Widerrede, was der Prediger sagt. Natürlich kommt es manchmal zu Diskussionen und Bewertungen; aber es ist doch eine sehr begrenzte Gruppe von Menschen, die sich daran beteiligt. Die allermeisten verstehen sich als Herde, die dem Hirten folgt - und damit meinen sie nicht Jesus, sondern den Pfarrer, Pastor oder Vorsteher. Die Kinder Gottes sind weitgehend unglaublich leichtgläubig. Sie sehen die schönen und aufbauenden Worte der Bibel, und sie hören von der Kanzel die gute Nachricht von der Liebe - aber sie rechnen nicht damit, dass es falsche Apostel und betrügerische Propheten gibt. Die meisten wurden so erzogen, dass sie nicht begreifen können, dass einige "Christus verkündigen, um sich selbst zu weiden und nicht mit ehrlichen Motiven" (Phil. 1)17).
Tritt ein Machtmensch in der Gemeinde auf muss in der Regel sehr viel geschehen, bis ihn die Leute so sehen, wie er wirklich ist:
Ein dritter Grund dafür, dass die Machtmenschen in christlichen Kreisen so leicht Einfluss gewinnen, ist der Umstand, dass sie in ihrer Argumentation so oft die Bibel verwenden. Sie sind ja meist sehr intelligent und tun sich mit geistigen Dingen leicht. Ganz schnell kann sich solch eine Person eine Reihe von Bibelstellen aneignen, die die eigenen Ansichten unterstützen. Gottes Volk aber ist es gewöhnt, sich vor Gottes Won zu beugen. Vertrauen auf die Bibel ist für die meisten Gläubigen das allererste Gebot. Schon der Gedanke, auch nur dem geringsten Wort des Herrn untreu zu sein, stürzt viele fromme Christen in Schuldgefühle. Viele sind aber nicht in der Lage zu sehen, dass der Machtmensch die Bibel in seinem Sinne umfunktioniert. Er gebraucht sie als Waffe gegen seine Mitmenschen, nicht für sie. In seiner Familie oder Kleingruppe kann er die schönsten Abschnitte der Bibel dazu verwenden, eine Situation seelischer und geistlicher Grausamkeit herzustellen. In solch einer Situation muss man laut aussprechen, dass das Wort Gottes missbraucht wird. Der Machtmensch legt sich auch oft ein einfaches theologisches System mit einer Reihe von feststehenden Prinzipien zurecht. Das nötigt er seinen Mitmenschen auf und fordert dabei absoluten Gehorsam gegenüber der "rechten Lehre", der "rechten Theologie" oder den "richtigen Prinzipien". Durch die Macht, die er ausstrahlt, schafft er Angst und bricht jeden Widerstand. Diejenigen, die er auf diese Weise in seine Macht bekommt, haben das Gefühl, gegen Gott selbst zu rebellieren, wenn sie Protest anmelden. So entstehen Sekten - und so können sich Sektenführer durchsetzen.
...Was sagen christliche Psychiater und Therapeuten? Wie verhalten sich Seelsorger? Was weiß man bei kirchlichen Beratungsstellen? Welche Antworten bekommt man bei der Telefonseelsorge? So weit ich Einblick habe, scheinen die Opfer von Machtmenschen selten ernst genommen zu werden. Vielfach werden sie - wenn sie es endlich wagen, Hilfe zu suchen schon beim ersten Anlauf abgewiesen; und ihre Unterdrücker wissen das!
...Es gibt schlimme Formen des Machtmissbrauchs, nicht nur in der Politik, sondern auch in christlichen Gemeinden, Kreisen und Familien. Es ist keine christliche Tugend, sich unterdrücken zu lassen und dazu zu schweigen!
Allzeit kampfbereit
Auf den ersten Blick kann es so aussehen, als ginge es den Machtmenschen um die "Sache"; aber kratzt man ein, bisschen an der Oberfläche ihrer "Sache" oder "Lehre", merkt man sofort, dass es dem Machtmenschen um ganz andere Dinge geht, als es bei den gesunden Kämpfern der Fall ist.
Der Machtmensch ist bereit, seine Gegner auszuschalten, um Platz für sich selbst zu schaffen. Er will seinen Opfern ihre natürliche Selbstachtung nehmen, um damit ungehinderter bestimmen zu können.
Das war ein kurzer Auszug aus."Wölfe im Schafspelz" Seite 21
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